"Schmetterlingtal"

Texte nach dem Gedichtband: "Das Schmetterlingstal, ein Reqiuem" von Inger Christensen, Bibliothek Suhrkamp,1998, Frankfurt/ Main Copyr. Verlag Kleinheinrich, Münster;

Musik: Christian Geißendörfer,Gitarre, Gesang; Gesamtd. 41:06; Gemälde: "Im Garten des Mönchs",1987, Michael Engelhardt, Erlangen.

"Schmetterlingstal"
Lieder nach Gedichten von Inger Christensen

Schmetterlingstal, ein Requiem
Lieder nach Gedichten von Inger Christensen

  1. Sie steigen auf, die Schmetterlinge des Planeten,
  2. in der mittagsheißen Luft des Brajčinotals,
  3. aus der unterirdisch bitteren Höhle herauf,
  4. die das Berggebüsch mit seinem Duft verdeckt.

  5. Als Bläuling, Admiral und Trauermantel,
  6. als Pflauenauge flattern sie umher
  7. und gaukeln dem Toren des Universums ein Leben
  8. vor, das nicht wie nichts stirbt.

  9. Wer ist es, der diese Begegnung verzaubert
  10. mit Anflügen von Seelenfrieden und süßen Lügen
  11. und Sommergesichtern verschwundener Toter?

  12. Mein Ohr antwortet mit seinem tauben Klingen:
  13. Es ist der Tod, der dich mit eigenen Augen
  14. vom Schmetterlingsflügel aus anblickt.
blauer Schmetterling (Gesamtdauer 41:03)
Bild mit Schmetterling

Das Requiem " Das Schmetterlingstal" der dänischen Dichterin Inger Christensen (16.01.1935- 02.01.2009) bewegt sich in komplex wandelnden Bildern zwischen Traum, Erinnerung und Wirklichkeit.

Das dänische Original fusst in Reim und Struktur auf einem klassischen Sonettenkranz von 14 Gedichten. Hierbei bildet die letzte Zeile eines Sonetts die erste Zeile des folgenden, während sich das letzte -Meistersonett- kunstvoll aus allen vorhergegangenen Anfangszeilen fügt. Die deutsche Übersetzung von Hans Grössel verließ das Reimschema zugunsten des Sinngehalts und der Bilderwelt vollständig. In welche Zeit , musikalische und gesangliche Tradition durfte damit die barocke Struktur, dieses periodische System der Farben, transportiert werden? Was anfangs als stilbrechend irritierte, läßt den wundervollen Kern des Gedichtzyklus für nachfolgende Bearbeitungen in viele Richtungen atmen und regte in der vorliegenden Vertonung zu einem Liederzyklus für Gesang und Gitarre an.